Gibt es eine Wahrheit im Fall "Uwe Barschel"?

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Der Unfall mit Uwe Barschel

Der israelische Geheimdienst Mossad, hat sie organisiert die Waffenlieferungen Israels an den Erzfeind Iran, der sich im Krieg mit dem Irak befand. Die Waffenlieferungen gingen über Dänemark, dessen Geheimdienst dem Mossad ebenso gehorsam diente wie viele andere europäische Geheimdienste auch. Parallel dazu wurden iranische Piloten an israelitischen Flugsimulatoren ausgebildet und trainiert. Das fand in der Nähe von Kiel statt. Um den damaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten, Uwe Barschel, für sein Einverständnis damit günstig zu stimmen, sicherte der BND (Bundesnachrichtendienst) Uwe Barschel zu, Gelder für eine kränkelnde Kieler Werft locker zu machen und noch einige andere Vorteile zu beschaffen, für die sich Barschel zur Sicherung seiner Wiederwahl die Verdienste einstecken konnte.

Alles schien glatt zu laufen, bis etwas Unerwartetes dazwischen kam: eine politische Krise in Dänemark. Der dänische Geheimdienst ersuchte nun, die israelischen Waffenlieferungen einstweilen zu stoppen. Also sollten diese Waffenlieferungen jetzt über schleswigholf,teinische Häfen laufen. Der Mossad hatte sich bereits die Zustimmung des Verfassungsschutzes gesichert und schaltete nun den BND ein, um bei Barschel die Zustimmung dafür zu erwirken. Doch Barschel lehnte ab.

Barschel löst eine Panik aus

Man hatte Barschels Festigkeit unterschätzt. Zudem aber bestand die Gefahr, daß Barschel alles seinem Freund Helmut Kohl berichten würde, dessen Verhältnis zu den Israelis nicht gerade gut war; hatte doch der Mossad durch geschickte Aktenmanipulation dafür gesorgt, daß Waldheim als >Nazi< oder gar >Kriegsverbrecher< angesehen wurde, während Helmut Kohl trotzdem (noch) zu ihm hielt. Es mußte also gehandelt werden. >Ran< war der Deckname jenes Mossad-Offiziers, der die Sache in die Hand nahm. Es kam nun darauf an, eine Verleumdungsattacke gegen Barschel mit Hilf-e der Opposition zu inszenieren. Diesem Oppositionsführer wurde klargemacht, daß der BND hinter ihm stehen würde und ob dieser sich auch zu Gegendiensten bereitfinden würde, wenn er die Wahl gewinnt. Dieser Politiker, der keine Chance sah, die Wahl 2-u gewinnen, war zu allen Versprechungen bereit.

Ein weiterer Mossadoffizier von der Bonner Zentrale, >Yoel<, wurde hinzugezogen. Er machte in der Barschel- Partei einen Funktionär aus, der einen dunklen Fleck hatte. Er bekam den Namen >Whistler<, der soviel bedeutete wie >Pfeife<. Whistler war angeklagt gewesen, eine Hamburger Prostituierte mißhandelt zu haben, aber es war jemandem gelungen, diese Sache mit Geld abzuwenden. Mit diesen Kenntnissen hatte man >Whistler< in der Tasche, um seine politische Karriere zu beenden. Um das zu verhindern, ,~,ollte er helfen, Barschel zu stürzen. >Ran( war überrascht, mit welcher Begeisterung >Whistler< zustimmte, zumal er kein Fan von 13arschel sei und alles tun würde, ihn >dranzukriegen<.

>Ran< hatte schon einen fertigen Plan

>Ran< ging die einzelnen Schritte mit dem Mann, den er gerade rekrutiert hatte, durch, bedächtig, um ihm das Gefühl zu geben, die taktischen Maßnahmen seien seine eigenen Ideen. Das förderte ~seine Wichtigkeit für den Fall, daß ihm Schuld zugeschoben werden mußte, wenn etwas schief ginge. Natürlich sicherte ihm >Ran< auch eine großzügige finanzielle Regelung zu, falls seine politische Zukunft gefährdet würde. Der BND blieb bei dieser Schmutzkampagne außen vor. >Ran< hatte den Eindruck vermittelt, daß hinter ihm eine mächtige mafiaähnliche Organisation stünde. Vieles von dieser Schmutzkampagne ist seinerzeit durch die Presse gegangen, nur die eigentlichen Drahtzieher wurden niemals erwähnt. Als Whistler auch noch erklärte, daß er für die von ihm losgetretene Kampagne einen Auftrag von Barschel erhalten habe, war die Wahl in Schleswig-Holstein entschieden. Wie geplant, übernahm die Opposition die Regierung.

Barschel läßt nicht locker

An dem Wahlergebnis ließ sich nichts mehr ändern, doch Barschel wollte seine Ehre wiederherstellen. Zu diesem Zweck nahm er seine Verbindungen zum BND auf und drohte, dessen Fehlverhalten in vollem Umfang offenzulegen, wenn der BND nicht alles tun würde, seinen Namen reinzuwaschen.

Der BND, der seine Informationen vom Verfassungssehutz erhalten hatte, welche letzterer wiederum vom Mossad bezogen hatte, zweifelte nicht daran, daß Barschel Dreck am Stecken hatte. Also bat der BND den Mossad um Hilfe, weil sich Barschels Attacke gegen die mittleren Chargen des BND richtete. Diese hatten gegen Weisung ihrer Vorgesetzten direkten Kontakt mit dem Mossad gehabt, so daß sie sich nicht an ihre eigenen Vorgesetzten um Hilfe wenden konnten.

Der BND-Kontaktmann informierte den Mossad darüber, daß binnen weniger Tage einige Anhörungen vor einem Untersuchungsausschuß stattfinden würden, und wenn Barschel nicht befriedigt würde, würde dieser auspacken. Die Zeit war also sehr knapp, und Barschel mußte unbedingt gestoppt werden. Der BND gab dem Mossad den Ort auf den Kanarischen Inseln bekannt, wo Barschel damals Urlaub machte. Er bewohnte dort ein Haus, das ihm von einem Freund zur Verfügung gestellt worden war.

Der Mordplan

>Ran< rief Barschel an. Es meldete sich niemand. Eine Stunde später antwortete jemand, daß Barschel zur Zeit nicht erreichbar sei. Beim dritten Mal endlich klappte es. >Ran<, der sich als Robert Oleff vorstellte, sagte zu Barschel, daß er ihm helfen könne, seinen Nan-ten reinzuwaschen. Er solle nach Genf kommen. Doch Barschel genügte das nicht und verlangte mehr Informationen. Oleff gab rnehr Informationen und deutete an, daß vielleicht auch Iraner anwesend seien, die in der Sache verwickelt wären. Barschel war nun neugierig undschließlich einverstanden, so daß sie sofort die notwendigen Einzelheiten der Reise festlegten. Indessen war aus Brüssel bereits ein Kidon-Team angereist, hatte die Lage in Genf sondiert und das Hotel Beau- Rivage ausgesucht, deswegen geeignet, weil in der Nähe eine riesige Baustelle war, in der man Dinge loswerden konnte, die man loswerden wollte. Zwei Einsatzpaare quartierten sich im Hotel Beau-Rivage ein, das eine im dritten Stock neben dem für Barschel vorgesehenen Zimmer, das andere im vierten Stock nahe dern Aufgang zum Dach. Die übrigen Leute des Teams deckten das Umfeld ab, um notfalls eingreifen zu können.

>Ran<, alias Oleff, traf Barschel am Nachmittag des 10. Oktober in dessen Apparteinent. Er hatte eine Flasche Wein bestellt, die zu dem von ihm mitgebrachten Käse paßte. Das Gespräch drehte sich darum, daß Barschel sich mit seinem Sturz abfinden solle, zumal >Ran< ihm eine stattliche Summe Geldes als Entschädigung und Sicherung für die Zukunft anbieten könne. Was er, Barschel, angeblich getan habe, stelle im Bereich der Politik keine so große Sache dar, und - der übliche Mossadspruch - Geld spiele keine Rolle.

Barschel aber war sehr ungehalten und verlangte, daß man ihm, wie versprochen, die Beweise liefere, die seinen Namen reinwaschen würden; er sei keineswegs daran interessiert, irgendeinen finanziellen Profit aus der Sache zu schlagen, sondern wollte es allen zeigen, die ihn verleumdet hatten. >Ran< war klar, daß es keine Möglichkeit gab, Barschel zu kaufen oder sonstwie umzustimmen. Barschel war jetzt zu einer Gefahr für die Mossad-Leute geworden. Die Aktion mußte in ihre zweite Phase treten, die Zustimmung zur Eliminierung Barschels.

Der Mord

Der Mossadchef, der die Anweisung geben mußte, wohnte am Ende der Straße im Hotel Des Berges und war dort unter dern Namen P. Marshon eingetragen. Inzwischen hatte auch ein Kidon-Mitglied die zuvor präparierte Flasche Rotwein gebracht. Andere Teammitglieder brachten Eisbeutel auf ihre Zimmer. Zu dem Vorspiel gehörte auch, daß Barschels BND-Kontaktmann ihn in seinem Zimmer anrufen und ihm bestätigen sollte, daß man die Dinge zurechtrücken würde. Barschel entspannte sich und genoß den angebotenen Wein, von dem >Ran< wegen akuter Magenverstimmung nichts trinken durfte. Er aß seinen Käse und wußte, daß Barschel binnen einer Stunde ohnmächtig werden würde. Er entschuldigte sich bei Barschel, daß er einige wichtige Papiere holen wolle, die seiner Entlastung dienten.

Nach Rücksprache mit seinem Mossad-Chef gab >Ran< nun grÜnes Licht für die vorbereitete Aktion. Die zwei Männer vom vierten Stock fanden Barschel bewußlos auf dem Boden neben seinem Bett. Zwei weitere, insgesamt dann fünf Kidon-Leute, befanden sich nun im Zimmer. Sie legten Barschel auf eine Plastikbahn in sein Bett, Kopf am Fußende, ein zusammengerolltes Handtuch wurde unter seinen Kopf geschoben. Andere füllten die Badewanne rnit Wasser und Eis. Das Geräusch würde jedes andere übertönen. Dann schob man ihm einen gut geölten Schlauch in den Schlund bis an den Magen und füllte über einen Trichter Pillen und Wasser in den Magen. Dann zog man ihm die Hosen runter, zwei Männer hielten die Beine hoch, so daß ein dritter rektal einige Zäpfchen einführen konnte. Dann zog man die Hosen wieder hoch und wartete auf die Wirkung der Tabletten, indem man laufend seine Körpertemperatur maß. Nach einer Stunde hatte Barschel hohes Fieber bekommen, wonach man ihn in das Eisbad legte. Heftige Zuckungen verrieten einen Schock, der in Verbindung mit den Tabletten die Folge einer Herzattacke hervorrief, eine oft geübte Methode, die nur ein Herzversagen als Todesursache zuließ. Nach einigen weiteren Minuten war der Tod eingetreten. Man begann mit dem Aufräumen des Zimmers und der Beseitigung aller Spuren. Die präparierte Weinflasche wurde gegen eine unpräparierte gleicher Marke ausgetauscht. Man hängte das Schild »Bitte nicht stören« an die Tür und verließ das Hotel. Zu spät hatte man als unverzeihlich erkannt, daß der Selbstmörder Barschel seine Hose anbehalten hatte.

Der Mossadoffizier Victor Ostrowsky

in Israel gibt es ebenso wie im Mossad zwei gegeneinander gerichtete politische Strömungen. Da streben vorwiegend die Glaubensjuden ein friedliches Miteinander mit Nachbarn und Palästinensern an, wohingegen die politischen Zionisten konsequent jene Weltherrschaftspolitik erfüllen, wie sie in den berüchtigten Protokollen der Weisen von Zion niedergelegt sind. Ostrowsky gehört zu den Gemäßigten. Viele schmutzige Aktionen, an denen er beteiligt war, wurden ihm zuwider. Er flüchtete, versteckte sich, behielt aber Kontakt mit einigen Gesinnungsenossen. In dem Buch Geheitnakte Mossad (deutsche Ausgabe 1994 beim Goldmann-Verlag erschienen) offenbart Ostrowsky seine Erfahrungen und sein Wirken. Die hier nur in Abrissen wiedergegebene Barschelaffäre ist so ausführlich und detailliert beschrieben, daß die Einzelheiten Überprüft werden könnten. Aber wer soll sie überprüfen? Der BND? Der Verfassungsschutz? Beide sind sie als Helfershelfer des Mossad so sehr darin verstrickt, daß sie gegen sich selbst ermitteln müßten. Der Mossad wollte eigentlich nur die israelischen Waffenlieferungen an den Iran sicherstellen, woraus dann die Affäre Barschei wurde.

Die deutschen Gerichte haben fast zehn Jahre lang ermittelt, haben die Ermittlungen eingestellt und wiederatifgenommen. Erst kürzlich berichete die Presse, daß es seitens der Gerichte keine Beweise für einen Mord gäbe. Die Gerichte sind von verschiedenen Seiten auf Ostrowkys Bericht hingewiesen, doch der Name Mossad existiert in diesem Zusammenhang gar nicht. Die Familie Barschel, die mit Sicherheit Ostrowskys Bericht kennt, ist von dem Mord überzeugt, aber sie wagt es nicht, den Mossad ins Spiel zu bringen. Schließlich hat man ja erlebt, wie der Mossad gemeinsam mit dem BND und dem Verfassungsschutz mit den Leuten umspringt, die sich den geheimen Zielen dieser Mafia entgegenstellen.

Es bleiben mehr Fragen als Antworten.

Quelle: Hinter den Kulissen der Neuen Weltordnung, Zeitkritik ohne Tabus,
Hans Werner Woltersdorf, Tübingen 2001, ISBN 3-87847-193-9

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Der Mord an Uwe Barschel

In seinem Buch "Geheim-Akte Mossad" beschreibt Ex-Agent Ostrovsky, warum und wie Uwe Barschel ermordet wurde.

Uwe Barschel, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, wurde am 10./11. Oktober 1987 vom israelischen Mossad ermordet. Barschel mußte sterben, weil er sich nicht kaufen ließ und damit drohte, die geheimen Militäroperationen der Israelis auf deutschem Boden sowie die Waffengeschäfte Israels in Zusammenarbeit mit dem deutschen Geheimdienst bekanntzumachen. Zuerst wurde Barschels Referent Pfeifer gekauft, der zusammen mit dem Mossad eine billige Verleumdungskampagne gegen Barschels Herausforderer Björn Engholm in Szene setzte. Die fadenscheinige Kampagne wurde von den Medien hochgespielt und Barschel in die Schuhe geschoben. Uwe Barschel mußte zurücktreten, drohte aber, er würde vor dem bereits angesetzten Untersuchungsausschuß alles sagen, was er wüßte. Während seines Urlaubs auf den kanarischen Insel wurde Barschel von Mossad-Mann "Ran" angerufen, der ihm anbot, die Dokumente zu beschaffen, die ihn vor dem Untersuchungsausschuß rehabilitieren würden. Ran verabredete sich mit Barschel im Genfer Hotel Beau-Rivage. Der Mossad-Agent bot Barschel während der ersten Unterredung im Hotel erneut Geld an, wenn er vor dem Untersuchungsausschuß nicht aussagen würde. Uwe Barschel wies dieses Angebot entrüstet zurück und drohte wiederum auszupacken. Damit hatte er sein eigenes Todesurteil gesprochen. Lesen Sie im folgenden aus Kapitel 25 von Victor Ostrovsky's Buch "Geheimakte Mossad - Die schmutzigen Geschäfte des israelischen Geheimdienstes" (Bertelsmann 1994) warum und wie Barschel ermordet wurde. Die Zahlen in Klammern entsprechen den Seitenzahlen im Buch:

Aus Kapitel 25 (Geheimakte Mossad):

Eine Stunde nach dem Barschel durch den präparierten Wein in Bewußtlosigkeit fiel, setzte hohes Fieber ein. Er wurde dann in das Eisbad gelegt. Der Schock rief starke Körperzuckungen hervor. Der plötzliche Temperaturwechsel im Verein mit der Wirkung der Medikamente erzeugte so etwas, was wie eine Herzattacke aussah. Nach ein paar Minuten stellte das Mossad-Team fest, daß er wirklich tot war.

Ich kannte Ran noch von der Akademie her, ein pausbäckiger Bursche mit braunem Haar und grauen Augen. Seine Muttersprache war Deutsch, und er hatte sogar die rosigen Wangen und das blasse Aussehen, das so typisch für die Deutschen ist. Bevor er zum Mossad kam, war er Verantwortlicher für die El-Al-Sicherheit in Deutschland und Österreich, wo er mehrere Jahre verbrachte. Die Tatsache, daß er nicht in den Flugzeugen in direktem Kontakt mit den Passagieren arbeitete, ermöglichte ihm die Arbeit beim Mossad.

Ich wußte über die Operation Hannibal durch meinen Job im dänischen Ressort Bescheid. Es war eine kombinierte Operation (286), bei der die Arbeit der Liaison und Geheimaktivitäten seitens der Melucha verknüpft waren. Bei der Kooperation waren drei Länder und ihre jeweiligen Geheimdienste beteiligt. Genauer gesagt, waren es die Geheimdienste, die kooperierten, und nicht die Länder.

An sich war die Operation Hannibal ein Waffendeal zwischen Israel und Iran, wobei der deutsche Geheimdienst als Strohmann diente. Da der Iran dringend Ersatzteile für seine ramponierte Luftwaffe brauchte und Israel die Teile besaß, vor allem für die »Phantom F-4«, lag nahe, sie ihm zu verkaufen, zumal die Verlängerung des Iran-Irak-Krieges ein erklärtes Ziel des Mossad war. Dabei wurde auch nicht vergessen, bei dem Deal einen finanziellen Gewinn herauszuschlagen. Da der Iran und sein Ayatollah Khomeini nicht gerade begeistert waren, direkt mit Israel, das zu zerstören sie täglich schworen, Geschäfte zu machen, wurden die Deutschen als Zwischenhändler eingeschaltet. Der BND, der deutsche Bundesnachrichtendienst, wurde ausgesucht, um den Job zu machen, obwohl der Mossad die örtlichen Dienststellen des Verfassungsschutzes sowohl in Hamburg als auch in Kiel auf dem laufenden hielt. Eine Zusammenarbeit dieser Art mit dem BND war ziemlich neu; normalerweise ließ der Mossad bei seinen Operationen in Deutschland den BND im dunkeln.

Im Mossad wurde der BND als unzuverlässig angesehen, weil der Mossad sicher war, daß die Stasi ihn stark infiltriert hatte. Außerdem stand er Helmut Kohl sehr nahe, der kein besonderer Freund des Mossad war. Bei der Operation Hannibal jedoch gab es einen Verbindungsmann für den BND, der rekrutiert worden war und der nebenbei noch schmutzige Geschäfte über den Ex-Mossad-Offizier Mike Harari mit dem Staatschef von Panama, General Manuel Noriega, machte.

Bei dieser Operation wurden die Flugzeugteile (von Elektronikteilen für den Bordradar bis hin zu kompletten Motoren und zerlegten Flügeln) über Land transportiert, damit sie auch wirklich den Bestimmungsort erreichten beziehungsweise um die Herkunftsquelle zu verschleiern, falls sie vor der Auslieferung abgefangen wurden.

Zuerst wurden die Teile im Hafen von Ashdod in speziellen Containern auf israelische Schiffe verladen. Die Container waren so konstruiert, daß sie direkt vom Schiff auf die wartenden LKWs (287) gehoben werden konnten und Teil des LKW wurden. Die Schiffe liefen verschiedene italienische Häfen an, wo der italienische Geheimdienst (SISMI) alle notwendigen Papiere beschaffte, die bezeugten, daß es sich um italienische Agrarprodukte handelte, die für Deutschland bestimmt waren. Zu diesem Zweck wurden auch die LKWs mit Werbetafeln italienischer Produkte versehen. Die Leute für diese Operation und die Fahrer wurden von den italienischen Verbündeten des Mossad gestellt, den rechtsgerichteten Anhängern eines Mannes namens Licio Gelli und seiner inzwischen verbotenen Geheimloge mit dem Namen Propaganda 2 und einer zweiten Gruppe, Gladio genannt (eine NATO-Gründung ähnlich der in Belgien).

Die Fahrer brachten ihre Wagen in ein Lagerhallengebiet in Hamburg, wo sie von neuen Fahrern übernommen wurden, diesmal von Israelis. Der Mossad nannte diese Fahrer OMI, die Abkürzung von Oved Mekomy, was »ortsansässiger Arbeiter« heißt. Um ein OMI zu werden, muß man als Student auf eigene Kosten in das betreffende Land gekommen sein, und man muß wirklich ein Studium aufnehmen. Die Studenten wenden sich dann an die israelische Botschaft, um nach Arbeit zu fragen, und wenn der Mossad gerade Leute braucht, werden sie vom Shaback einem Sicherheitscheck unterworfen. Wenn alles in Ordnung ist, können sie eingestellt werden, um untergeordnete Tätigkeiten zu erledigen. Sie arbeiten als Fahrer oder werden als Bewohner von sicheren Häusern eingesetzt. Von Hamburg aus fuhren die LKWs zu einem ehemaligen Flughafen, zwanzig Minuten von Kiel entfernt. Ein Iraner, der in den USA studiert und seinen Flugzeugingenieur gemacht hatte, kam dann aus Kiel angereist und inspizierte die Ladung.

Wurde die Lieferung für gut befunden, wurde die Hälfte des Geldes in bar auf dem Flughafen übergeben. Die zweite Hälfte wurde fällig, sobald die Lieferung im Iran angekommen war. Die ganze Operation wurde in Kooperation zwischen BND-Leuten auf mittlerer Ebene und dem Mossad-Verbindungsmann in Bonn durchgeführt.

Zur Geschichte des Ganzen muß noch erwähnt werden, daß Helmut Kohl einer Kooperation mit dem Mossad zur Bekämpfung des Terrorismus einst zugestimmt hatte, weshalb die BND-Oberen (288) dem Mossad erlaubten, ihren Stationen im Ausland unter die Arme zu greifen, und es als große Freundschaftsgeste betrachteten, wenn der Mossad Seminare über Terrorismus abhielt (die den BND-Leuten als Gästen des israelischen Geheimdienstes in Israel kostenlos geboten wurden).

Die BND-Bosse wußten allerdings nicht, daß diese Seminare, die der Mossad in der angenehmen Umgebung des Country Club abhielt, in Wirklichkeit gut geschmierte Rekrutierungs-Operationen waren, die dem Mossad Hunderte, wenn nicht Tausende von Staatsdienern aus den Vereinigten Staaten, wo sie vom Bnai Brith rekrutiert wurden, oder aus den Geheimdiensten Dänemarks, Schwedens und vieler anderer Länder Europas einbrachten.

Im Geheimdienstbereich zählt vor allem die Fähigkeit zu beweisen, daß es einem gelungen ist, einen terroristischen Angriff abzuwehren. Mit dieser Verheißung manipulierte der Mossad die mittleren Chargen des BND zur Kooperation, indem man sie wissen ließ, daß ihre Bosse zwar einverstanden wären, aber die Operation nicht offiziell billigen könnten. Auch die Tatsache, daß der Mossad die rückhaltlose Unterstützung der örtlichen Dienststellen des Verfassungsschutzes hatte, war hilfreich, die BND-Leute zu überzeugen.

Die Transporte gingen reibungslos vonstatten, und lange Zeit gab es keine Probleme. Von Deutschland fuhren die LKWs weiter nach Dänemark, wo sie unter den wachsamen Blicken des dänischen Geheimdienstes und ihres Verbindungsmannes zum Mossad, Paul Hensen Mozeh, auf dänische Schiffe verladen wurden. Von dort ging die Fracht in den Iran.

Irgendwann fragten die Iraner ihren BND-Verbindungsmann, was man tun könnte, um iranische Piloten auszubilden, am liebsten außerhalb des Kriegsgebietes. Mit dieser Frage wandte sich der BND-Mann an den Mossad-Kontakt. Zuerst kam der Vorschlag auf den Tisch, das Training in Südamerika durchzuführen, entweder in Chile oder in Kolumbien, wo der Mossad sowohl die notwendigen Flugfelder als auch die Genehmigung für solche Operationen erhalten könnte. Aber die Nachbarschaft zu amerikanischen Aktivitäten in jener Hemisphäre ließ den Mossad umdenken.

Nachdem der Mossad und der BND Experten der israelischen Luftwaffe zu Rate gezogen und von den Iranern weitere Informationen erhalten hatte, etwa über den Ausbildungsstand ihrer Piloten (289), entschloß man sich, daß der größte Teil der Ausbildung an Simulatoren und deshalb in Deutschland stattfinden könnte. Es wurde vorgeschlagen, daß derselbe Flugplatz mit seinen großen verlassenen Hangars, der für die Kontrolle der Ersatzteile benutzt wurde, auch dafür dienen könnte, die fünf Simulatoren mitsamt dem notwendigen Material aufzunehmen. Die Iraner mußten die Simulatoren kaufen und auch die gesamte Installation sowie alle sonstigen Ausgaben bezahlen und natürlich auch für das eigentliche Training finanziell aufkommen.

Man kam zu dem Schluß, daß ein Team von zumindest zwanzig Israelis bereitstehen müßte, um die iranischen Piloten auszubilden und zu trainieren. Die Israelis sollten getrennt in Kiel und Hamburg leben, während die iranischen Piloten (die, wie die Deutschen fürchteten, Aufmerksamkeit wecken könnten) auf dem Flughafen untergebracht werden sollten.

Der BND-Kontaktmann arbeitete jetzt direkt mit dem Mossad-Verbindungsmann in Bonn zusammen, der seine Informationen an die geheime Mossad-Station in der Bonner Botschaft weiterleitete. Die Deutschen sagten, daß zur Sicherheit und für den glatten Verlauf der Operation der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein in das Geheimnis eingeweiht werden müßte. Sein Name war Uwe Barschel, er zählte zu den engen Freunden von Helmut Kohl. Um sich seine Unterstützung zu sichern, kam man überein, daß der BND seinen Einfluß geltend machen würde, um Bundesgelder für eine krisengeschüttelte Kieler Werft lockerzumachen, wofür Barschel dann die Lorbeeren einheimsen könnte. Außerdem ging es um einen großen internationalen Flughafen in der Region. Und man versprach noch verschiedene andere Dinge, die weder für den Mossad noch für Ran von Interesse waren, der jetzt die Operation leitete.

Als ich den Mossad verließ, war das Training der Piloten voll im Gange. Außer den Simulatoren gab es noch einige umgebaute Cessnas, an denen die Piloten auf einem anderen Flugfeld, fünfundvierzig Minuten von Kiel entfernt, ausgebildet wurden. Ich kann mich noch gut entsinnen, wie Ran damals zum Star aufstieg.

Ephraim erzählte mir, was danach passierte. Ihm zufolge (und ergänzenden Details, die zum Ärger von Eli von Uri beigesteuert (290) wurden, stellte Ran irgendwann im März 1987 fest, daß am Horizont Gewitterwolken auf zogen.

Es gab im Mossad und bei den rechten Elementen in der Regierung zunehmende Unzufriedenheit über das Verhalten von Kanzler Helmut Kohl, der direkten israelischen Warnungen bezüglich seiner Beziehung zum österreichischen Politiker Kurt Waldheim, den man scheinbar als Nazi entlarvt hatte, trotzte. (Die »Entlarvung« war von einer Al-Einheit vorbereitet worden, die in das UNO-Gebäude an der Park Avenue in New York eingedrungen war und verschiedene belastende Dokumente, die anderen Akten entnommen worden waren, in die Akte von Waldheim - und einiger anderer Personen - geschmuggelt hatte. Die gefälschten Dokumente wurden dann von dem israelischen Botschafter bei der UNO Benjamin Netanyahu, »entdeckt«. Das war Teil einer Diffamierungskampagne gegen Waldheim, der den israelischen Aktivitäten im südlichen Libanon kritisch gegenüberstand.) Kohl wischte die israelischen Drohungen als Nonsens beiseite und verursachte damit Wutausbrüche in israelischen Geheimdienstkreisen, wo er als Klutz mit einem großen Maul und schlechter Kinderstube beschimpft wurde.

Sorge bereitete der Mossad-Führung auch eine plötzliche politische Krise in Dänemark. Der dänische Geheimdienst bekam kalte Füße und bat darum, die Waffenlieferungen über Dänemark zeitweilig zu stoppen, bis man wüßte, wie sich die neue politische Situation im Land gestalten würde.

Der BND fragte nun bei Uwe Barschel um Erlaubnis an, die Häfen in Schleswig-Holstein für die Überführung der Waffen in den Iran benutzen zu dürfen. Barschel lehnte ab. Der Mossad hatte es nicht für notwendig erachtet, Barschel deswegen anzugehen. Der BND wußte allerdings nicht, daß der Mossad sich schon die Kooperation des Verfassungsschutzes gesichert hatte. Deshalb kam es dazu, daß der BND an Barschel herantrat und ihm einiges mehr erzählte, als nötig war. Doch der BND hatte Barschels Festigkeit in dieser Angelegenheit falsch eingeschätzt. Als Barschel ablehnte, gerieten alle in Panik. Sie erkannten, daß Barschel für sie zu einer Bedrohung werden könnte, wenn er sich dazu entschließen würde, Helmut Kohl über all diese Vorgänge zu informieren.

Es war sehr verführerisch, mehrere Fliegen mit einem Schlag (291) erledigen zu können: Der Mossad hätte das Sagen bei der Kontrolle des neuen Politikers und könnte den BND als Partner einführen. Man könnte einen Störenfried, nämlich Barschel, eliminieren, der zwar kooperierte, aber nicht aus den richtigen Gründen. Er war nicht wirklich gekauft, wie es der Mossad bei seinen Politikern gerne hatte, sondern er nutzte die Situation nach Kräften, um, wie er meinte, das Beste für seine Wählerschaft rauszuholen, und gleichzeitig sicherte er seine politische Basis ab. Seine Beseitigung würde auch ein Schlag für Helmut Kohl sein, der gerade eine Wahl gewonnen hatte und sich deshalb nun noch unangenehmer aufführen würde als in der Vergangenheit.

Ran begann also Verbindungen zur Oppositionspartei zu knüpfen und kam in engen Kontakt mit einem ihrer Führer. Er fühlte ihm auf den Zahn, ob er, für den Fall, daß er die Wahl gewänne, zur Mitarbeit mit denen, die ihm geholfen hätten, bereit wäre und sich erkenntlich zeigen würde. Jenem Oppositionspolitiker wurde bedeutet, daß der BND hinter ihnen stehe und alles im besten Interesse Deutschlands geschehe. Die Antwort übertraf alle Erwartungen Rans: Der Oppositionspolitiker [Engholm], der keine Chance sah, die Wahl zu gewinnen, war zu jedem Versprechen bereit. Nachdem Ran diesen Politiker sicher in der Tasche hatte, was ihn eine neue Pfeife und etwas Tabak kostete, war es an der Zeit, Barschel aus der politischen Arena zu werfen.

Yoel, ein Einsatzoffizier von der Bonner Station, wurde zu dieser Operation herangezogen. Ihm wurde die Aufgabe übertragen, als Kanadier mit deutschen Vorfahren aufzutreten, der sehr reich sei und nach Deutschland zurückkehren wolle. Bevor er den entscheidenden Schritt machte, plante dieser Kanadier angeblich, in Deutschland ein neues Unternehmen zu starten und mit dem politischen Establishment bekannt zu werden, damit er seine Firma optimal aufziehen und den größtmöglichen Vorteil aus seiner Rückkehr ziehen könnte. Ein politischer Apparatschik [Pfeifer] in Barschels Partei, der von Ran und Yoel den Spitznamen »Whistler« (englisch: »to whistle« = pfeifen) erhielt, wurde ihr Zielobjekt. Ran lieferte der Mossad-Liaison eine Liste mir allen Leuten, die mit Barschel zusammenarbeiteten und direkten Kontakt zu ihm hatten. Die Namen sollten durch die Polizeicomputer in Kiel und Hamburg gejagt werden, um herauszufinden, ob über irgendeinen von ihnen (293) etwas Nachteiliges bekannt war. Der Name von »Whistler« hatte einen dunklen Fleck. Es stellte sich heraus, daß er der Mißhandlung einer Hamburger Prostituierten beschuldigt worden war, aber da es jemandem gelang, den Zuhälter auszuzahlen, wurde die Akte ohne förmliche Anklage geschlossen.

Yoel wurde »Whistler« durch einen Sayan vorgestellt, der »Whistler« laut seiner Mossad-Akte kannte. Nach einigen Schmeicheleien sagte Yoel zu »Whistler«, daß er nach Kanada zurückkehren müsse, und machte ihn mit Ran bekannt, der seinen Geschäftsberater in Deutschland mimte. Falls »Whistler« in seiner Abwesenheit irgend etwas benötige, könne er sich an Ran wenden, der autorisiert sei, ihm zu helfen.

Einige Tage nach Yoels angeblicher Abreise rief Ran »Whistler« an und verabredete ein Treffen, in dessen Verlauf er ihm klarmachte, daß er »Whistlers« politische Richtung nicht schätze, sondern die Opposition unterstütze. Ran erklärte ihm außerdem, daß er verpflichtet sei, Yoels Interessen nach bestem Wissen zu vertreten, weshalb er auf eigene Faust eine kleine Untersuchung vorgenommen habe. Dabei sei er auf den Zwischenfall mit der Prostituierten gestoßen, was bedeute, daß »Whistlers « politische Karriere beendet sein dürfte, falls diese Tatsache an die Öffentlichkeit käme, und obendrein wären Yoels Investitionen auch verloren. Er schlug ihm dann vor, daß er ihm beim Sturz Barschels helfen solle. Ran war überrascht, mit welcher Begeisterung »Whistler« diesem Vorschlag zustimmte. »Whistler« sagte klipp und klar, daß er kein Fan von Barschel sei und alles tun würde, um ihn dranzukriegen.

Ran, der schon einen fertigen Plan in der Tasche hatte, um Barschel abzusägen, ging die einzelnen Schritte mit dem Mann, den er gerade rekrutiert hatte, bedächtig durch, um ihm das Gefühl zu geben, dieser wäre an dem Planungsprozeß beteiligt. Auch sollte ihm das Gefühl von eigener Wichtigkeit eingeflößt werden, unter anderem für den Fall, daß ihm die Schuld zugeschoben werden mußte, falls etwas schiefging. Ihm wurde darüber hinaus gesagt, daß man sich finanziell großzügig um ihn kümmern werde, falls diese Operation seine politische Zukunft gefährde. Ran gab »Whistler« zu verstehen, daß er zu einer Organisation nach Art der Mafia gehöre und daß es ausgeschlossen sei, daß er seine Meinung (293) ändere oder Geschehenes ungeschehen machen könne. Auch dürfe er über Ran kein einziges Wort verlieren.

Während dieser ganzen Zeit fütterte der Mossad den Verfassungsschutz des Bundeslandes mit falschen Informationen über Barschels angeblich geheimen Waffengeschäfte und sonstige illegale Transaktionen, an denen sein Bruder beteiligt sei, quasi als Strohmann Barschels.

Der Plan wurde von Mousa gutgeheißen, der für Operationssicherheit in Europa zuständig war und damals auch als Chef für Europa fungierte. Bei dieser ganzen Sache hielt man den BND draußen. Ran ließ »Whistler« falsche, aber sehr schädigende Informationen über die Führer der Opposition im allgemeinen und den Spitzenmann der Opposition im besonderen in der örtlichen Presse verbreiten, ohne die Quelle der Gerüchte verlauten zu lassen oder aufzudecken, wer scheinbar nicht dichthielt. Als die Wahlen näher rückten, wurden Mossad-Leute aus Belgien ins Land gebracht, um als Privatdetektive aufzutreten, die anzuheuern Ran »Whistler« empfohlen hatte. Sie agierten höchst auffallend, fuhren bei ihrer Überwachung teure Autos und sammelten auf sehr amateurhafte Weise Material über den Oppositionsführer, wodurch sie natürlich die Aufmerksamkeit auf sich lenkten.

Die Sache wurde auf eine Weise durchgezogen, daß höchstens ein Reporter der »Braille Times« nicht in der Lage gewesen wäre, es als das zu erkennen, was es war: eine Schmutzkampagne. In der letzten Minute, als Dementis von Barschel zu spät gewesen wären, um noch den Wahlausgang zu beeinflussen, gab »Whistler« zu, daß er hinter den schmutzigen Tricks stecken würde. Er gab an, daß er dazu von Barschel beauftragt worden sei, wodurch er endgültig die Karriere eines Politikers beendete, der sich nicht kooperativ zeigte, und einen Mann ans Ruder brachte, der dazu bereit war. Außerdem wurde Kohl dadurch in arge Bedrängnis gebracht. Alle Proteste Barschels, daß er unschuldig sei, wurden als politische Rhetorik beiseite gewischt. (294) ...

Ephraim erklärte, daß noch mehr an der Geschichte dran sei. Er erzählte, daß nach seiner Niederlage bei den Wahlen (eine direkte Folge der Kampagne, die Ran organisiert hatte) Barschel seine BND-Verbindung kontaktierte. Er drohte, das Fehlverhalten des BND in vollem Umfang offenzulegen, wenn der BND nicht alles tun würde, um seinen Namen reinzuwaschen. Der BND, der seine Informationen vom Verfassungsschutz bezog - dieselben Informationen, die dieser vom Mossad erhalten hatte -, zweifelte nicht daran, daß Barschel Dreck am Stecken hatte, und bat den Mossad um Hilfe.

Der Grund, warum der BND den Mossad benutzen mußte, um mit dieser Situation fertig zu werden, bestand darin, daß sich die Drohung Barschels gegen die mittleren Chargen des BND richtete. Diese hielten entgegen den direkten Befehlen ihrer Vorgesetzten Kontakt mir dem Mossad. Der BND konnte sich also nicht mit einem Hilfegesuch an seine eigenen Leute wenden.

Der BND-Kontaktmann sagte dem Mossad-Verbindungsoffizier, daß innerhalb weniger Tage einige Anhörungen vor einem Untersuchungssausschuß stattfinden würden, und würde Barschel vorher nicht Genüge getan, würde er auspacken. Der Zeitrahmen war zu knapp für den Mossad, um die Operation auf den beiden Flugfeldern abzubrechen und die israelischen Mannschaften mitsamt ihrem Material rechtzeitig herauszuholen. Barschel mußte gestoppt werden, bevor er als Zeuge aussagen konnte.

Der BND gab dem Mossad-Verbindungsmann den Ort bekannt, an dem Barschel auf den Kanarischen Inseln Urlaub machte, sowie seine Telefonnummer. Er wohnte in einem Haus, das ihm von einem Freund zur Verfügung gestellt worden war.

Ran rief Barschel an. Beim ersten Anruf meldete sich niemand. Eine Stunde später versuchte er es wieder, und jemand antwortete, daß Barschel im Moment nicht erreichbar sei. Beim dritten Versuch (295) hatte er Barschel am Apparat und sagte ihm, daß er Informationen besitze, die helfen könnten, seinen Namen reinzuwaschen. Er stellte sich als Robert Oleff vor.

Er bestand darauf, daß Barschel nach Genf kommen solle. Er, Oleff, werde ihm am Flughafen abholen. Barschel verlangte mehr Informationen, bevor er sich festlegte, und Ran sagte, daß vielleicht einige interessante Iraner anwesend sein würden, die in das Geschäft verwickelt seien. Das machte Barschel glauben, daß die Angelegenheit seriös war. Der Mann am Telefon zeigte sich gut informiert, Barschel war einverstanden, und sie legten die Details der Reise fest.

Das Kidon-Team, das direkt von Brüssel geschickt worden war, wartete bereits in Genf. Nachdem es die Lage in Genf genau untersucht hatte, kam es zu dem Ergebnis, daß das Hotel Beau-Rivage am besten seinen Zwecken dienen würde. Ein Stück weiter gab es eine riesige Baustelle. So etwas war immer gut, um das, was man in der Eile loswerden wollte, verschwinden zu lassen. Zwei Einsatz-Paare quartierten sich im Hotel ein: das eine im vierten Stock, nahe beim Ausgang zum Dach, und das andere, das am selben Tag wie Barschel ankam, im dritten Stock neben dem Zimmer, das Ran für Barschel reserviert hatte.

Die übrigen Leute des Teams deckten das Umfeld ab und hielten sich in der Nähe auf, um nötigenfalls eingreifen zu können. Ran traf Barschel in dessen Zimmer am Nachmittag des 10. Oktober [1987]. Nachdem er eine Flasche Wein für den von ihm mitgebrachten Käse bestellt hatte, machte er Barschel zuerst ein Angebot. Barschel sollte überredet werden, seinen Sturz zu akzeptieren. Ran versprach ihm, daß man ihn großzügig entschädigen werde. Er versuchte ihm zu suggerieren, daß das, was er angeblich getan habe, im Bereich der Politik keine so große Sache darstelle und daß es besser für ihn sei, die Dinge laufen zu lassen und das Geld zu nehmen. Ran benutzte den üblichen Satz, den der Mossad so liebte, daß Geld keine Rolle spiele.

Barschel war sehr ungehalten. Er bestand darauf, daß Ran ihm die Beweise liefere, die seinen Namen reinwaschen könnten, oder zu verschwinden. Er war nicht daran interessiert, einen Profit aus der Sache zu schlagen, sondern er wollte es allen zeigen, die ihn verleumdet hatten. (296)

Da wurde Ran klar, daß es keine Möglichkeit gab, den Mann umzustimmen. Die Operation mußte in ihre zweite Phase treten, was die Beseitigung dieses Mannes bedeutete. Er war jetzt zu einer Gefahr für die Sicherheit der beteiligten Mossad-Leute geworden. Es gab aus diesem Grund keine Notwendigkeit, die Zustimmung zu seiner Eliminierung außerhalb des Mossad einzuholen. Das wäre bei einer Exekution aus politischen Gründen der Fall gewesen; hier hätte der Premierminister seine Zustimmung geben müssen. Ran wollte jedoch das Einverständnis des Mossad-Chefs haben, den man ständig auf dem laufenden hielt und der am selben Tag wie Barschel nach Genf gekommen war. Er wohnte im Hotel Des Bergues am Ende derselben Straße, in der Barschel untergebracht war. Er hatte sich unter den Namen P. Marshon eingetragen.

Bis der Wein in Barschels Zimmer ankam, war er schon von einem Kidon-Mitglied präpariert worden, entweder in der Küche oder auf dem Weg nach oben. Andere Team-Mitglieder schafften in Vorbereitung auf den letzten Akt Eisbeutel auf ihre Zimmer. Ran erzählte Barschel, daß es nur seine Absicht gewesen sei, seine Standfestigkeit zu prüfen. Da er es offenbar mit einem ehrenwerten Mann zu tun habe, wolle er ihm helfen. Barschel war immer noch aufgebracht und weigerte sich weiterzureden, wenn Ran ihm nicht sofort einen Beweis liefern würde, daß er wirklich seinen Namen reinwaschen könnte.

Ran rief den Mossad-Verbindungsmann an, der in einem sicheren Haus wartete. Er bat ihn, seinen BND-Kontaktmann anzurufen, der Barschel in seinem Hotelzimmer zurückrufen solle, um ihm zu sagen, daß alles gutgehen würde. Der Verbindungsmann war darauf vorbereitet, er hatte mit Ran im Vorfeld alle Optionen abgesprochen. Der BND-Mann stand in Wartestellung bereit; er war schon im voraus angerufen worden - unter dem Vorwand, etwas Wichtiges würde sich tun.

Einige Minuten später rief der BND-Mann Barschel an und sagte ihm, daß man die Dinge zurechtrücken werde. Barschel entspannte sich und trank von dem Wein. Ran täuschte Magenbeschwerden vor und lehnte ab; er nahm nur etwas von seinem Käse zu sich.

Ran wußte, daß Barschel in etwa einer Stunde ohnmächtig werden würde, und wollte die direkte Zustimmung des Mossad-Chefs, um den Job zu beenden. Er sagte Barschel, daß er einige (297) Papiere holen wolle, die ihn entlasten würden, und daß er in einer Stunde wieder da sei.

Ran traf den Mossad-Chef in dessen Hotelzimmer. Er gab ihm eine kurze Zusammenfassung des Vorgefallenen und sagte, daß Barschel innerhalb weniger Tage vor einem Untersuchungsausschuß aussagen werde, der Behauptungen über Unregelmäßigkeiten im Vorfeld der Wahlen prüfen solle. Es gebe keine Möglichkeit, Barschel davon abzubringen, vor diesem Gremium alles auszusagen, was er wußte. Ran konnte nicht garantieren, daß alle Beweisstücke, die Israel belasteten, in der kurzen verbliebenen Zeit von den Flugfeldern beseitigt wären. Das Risiko einer Entlarvung war für den Mossad hier viel zu groß, und deswegen gab der Mossad-Chef sein Einverständnis, den Mann zu eliminieren.

Ran rief die zwei Männer im vierten Stock von Barschels Hotel an und gab ihnen grünes Licht für die Operation. Sie warteten die Zeit ab, bis Barschel von dem Mittel im Wein eingeschlafen war. Sie riefen außerdem noch bei ihm an, um sicherzugehen, daß er nicht wach war. Dann drangen sie in sein Zimmer ein.

Barschel lag auf dem Boden rechts neben dem Bett. Er war offenbar ohnmächtig geworden und aus dem Bett gefallen. Das Team zog ein Plastiktuch über das Bett und legte den Bewußtlosen darauf, mit den Beinen zum Kopfende, damit die nächsten Schritte einfacher wären. Ein zusammengerolltes Handtuch wurde ihm unter den Nacken gelegt, als ob er eine Mund-zu-Mund-Beatmung bekommen sollte. Fünf Leute befanden sich zu dem Zeitpunkt im Raum. Vier kümmerten sich um das Opfer, und einer füllte die Badewanne mit Wasser und Eis; das Geräusch würde jedes andere übertönen. Ein langer, gut geölter Gummischlauch wurde dem schlafenden Mann in den Hals geschoben, langsam und vorsichtig, um ihn nicht zu ersticken. Einer schob den Schlauch, während ihn die anderen Männer für den Fall einer plötzlichen Konvulsion festhielten. Sie alle hatten so etwas schon vorher gemacht.

Sobald der Schlauch den Magen erreicht hatte, brachten sie am oberen Schlauchende einen kleinen Trichter an, durch den sie nun verschiedene Pillen einführten, dazu ab und zu etwas Wasser, damit sie auch tatsächlich den Magen erreichten.

Danach wurden dem Mann die Hosen heruntergezogen. Zwei Männer hielten seine Beine hoch, und ein Dritter führte ihm rektal (298) Zäpfchen mit einem starken Sedativ und einem fiebererzeugenden Mittel ein. Die Hosen wurden ihm wieder hochgezogen, und die Leute warteten auf die Wirkung der Medikamente; sie legten ihm ein Thermometer auf die Stirn, um seine Temperatur zu beobachten.

Nach einer Stunde hatte er hohes Fieber bekommen. Er wurde dann in das Eisbad gelegt. Der Schock rief starke Körperzuckungen hervor. Der plötzliche Temperaturwechsel im Verein mit der Wirkung der Medikamente erzeugte so etwas, was wie eine Herzattacke aussah. Nach ein paar Minuten stellte das Team fest, daß er wirklich tot war, und begann das Zimmer aufzuräumen, um keine Spuren zu hinterlassen. Sie merkten, daß sie den Fehler gemacht hatten, dem Mann nicht die Kleider auszuziehen, bevor sie ihn in die Wanne legten. Aber es war zu spät, das noch zu ändern. Sie merkten auch, daß die Ersatzweinflasche, die sie mitgebracht hatten, zwar ein Beaujolais war, aber nicht die richtige Marke, so daß sie keine Flasche hatten, um sie dazulassen.

Die Lage war gespannt. Sie hatten mehrere Stunden in dem Raum zugebracht, und einige von ihnen waren mehrmals hinausgegangen und wiedergekommen. Daß sie neben einer toten oder sterbenden Person Wache hielten, wäre wohl kaum zu erklären gewesen.

Nachdem sie das Zimmer verlassen und das Schild »Bitte nicht stören« angebracht hatten, ging jeder seiner Wege. Zwei Leute verließen das Hotel noch am selben Abend, das zweite Paar erst am folgenden Morgen. Die übrigen Mitglieder des Teams hatten die Stadt schon in derselben Nacht mit dem Wagen verlassen und fuhren zurück nach Belgien in die Sicherheit des Mossad-Hauptquartiers in Europa. Ran wurde informiert, daß die Mission erfüllt war, ebenso der Mossad-Chef, dem ein Team-Mitglied ein Polaroidfoto von dem Toten brachte.

Ende Kapitel 25 (Geheimakte Mossad)

barsch3
Ostrovsky, Victor: Geheimakte Mossad. Die schmutzigen Geschäfte des israelischen Geheimdienstes. Aus dem Amerikan. übertr. von Einar Schlereth 1. Aufl. München : Bertelsmann, 1994 , ISBN 3570121747
Weitere Literatur:
* Die Mossad- Akte. Israels Geheimdienst und seine Schattenkrieger. von Gordon Thomas
* Im Namen des Staates. von Andreas von Bülow
* Verschlußsache BND. von Udo Ulfkotte


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http://www.jungewelt.de/2006/09-26/057.php

26.09.2006 / Titel / Seite 1

Ein Opfer im Iran-Gate?
Jürgen Elsässer

Während kein Tag vergeht, ohne daß die US-Regierung vor der Aufrüstung des Iran warnt, werfen neue Indizien im Todesfall Uwe Barschel ein Schlaglicht auf illegale Waffenexporte an das Teheraner Regime durch die Administration von Präsident Ronald Reagan. 19 Jahre nach dem angeblichen Suizid des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten fordert seine Witwe eine Neuaufnahme der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. »Da geht kein Weg dran vorbei«, sagte Freya Barschel dem Politmagazin Cicero (Oktoberausgabe).

Untermauert werden ihre Anschuldigungen durch ein Buch des ehemaligen Chefredakteurs der Wirtschaftswoche Wolfram Baentsch, das in den nächsten Tagen unter dem Titel »Der Doppelmord an Uwe Barschel« erscheint. Darin wird der Fall unter Verwendung bisher unbekannter Ermittlungsakten neu aufgerollt.

Die Chronologie der damaligen Ereignisse: Am 14. September 1987 erhebt das Nachrichtenmagazin Der Spiegel schwere Vorwürfe gegen den damaligen Kieler Ministerpräsidenten: Er habe über seinen Referenten Reiner Pfeiffer seinen SPD-Herausforderer Björn Engholm bespitzelt. Barschel muß zurücktreten. Als die Landes-CDU Anfang Oktober Barschel zur Niederlegung seines Abgeordnetenmandates auffordert, bricht dieser seinen Urlaub ab, um in den Parteigremien um seine Rehabilitierung zu kämpfen. Auf dem Rückflug von Gran Canaria landet er am 10. Oktober in Genf, wo er am nächsten Morgen in der Badewanne seines Hotelzimmers tot aufgefunden wird.

Seither gilt die offizielle These, daß Barschel in den Freitod ging, weil er sich seiner Schuld für die Spitzelaffäre bewußt war. Baentsch kann jedoch in seinem Buch das Bekennerschreiben eines Auftragskillers präsentieren, der den CDU-Politiker »im Auftrag der größten deutschen Partei« liquidiert haben will. »Details, die in dem Brief erwähnt sind, konnte nur der tatsächliche Mörder wissen, kein Trittbrettfahrer«, meinte Baentsch gegenüber jW. Außerdem referiert das Buch unterdrückte Ermittlungsergebnisse: Demnach waren in der Sterbenacht fremde Personen in Barschels Hotelzimmer gewesen, und im Blut des verstorbenen fanden sich Gifte, die »niemals von Selbstmördern oder Sterbehelfern eingesetzt worden« wären, weil sie entweder entsetzliche Schmerzen verursachen oder »schon seit Jahren« nicht mehr im Pharmahandel erhältlich waren, so Baentsch. Laut Freya Barschel mußte ihr Mann sterben, weil er zuviel wußte: »Wenn ich auspacke, wackelt Bonn«, soll er gesagt haben.

Baentsch vertritt die These, daß Barschel Kenntnis von geheimen Waffengeschäften der USA hatte das sogenannte Iran-Gate. Der Mossad lieferte in den 80er Jahren im CIA-Auftrag über Dänemark Waffen in den Gottesstaat im Gegenzug wurde mit dem Geld der Mullahs die antikommunistische Contra-Guerilla in Mittelamerika finanziert. Schleswig-Holsteins Häfen galten als Ausweichoption, auf Privatflughäfen im Land trainierte der Mossad iranische Piloten. Barschel wollte das stoppen. Auch bei einem anderen Rüstungs­deal stellte er sich quer: der Lieferung deutscher U-Boote an das Apartheidregime in Südafrika, eingefädelt von Parteifreund Gerhard Stoltenberg. »Ich würde Helmut Kohl fragen: War es Mord aus Staatsräson?«, empörte sich Freya Barschel gegenüber Cicero.


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http://www.netzeitung.de/voiceofgermany/443865.html

Bis heute ein Staatsgeheimnis: Der Barschel-Mord
02.10.2006

Uwe Barschel musste sterben, weil er von einem Waffengeschäft zwischen Israel und dem Iran erfahren hatte. So sieht es Buchautor Wolfgang Baentsch, der in der Netzeitung erläutert, wieso die Tat bis heute vertuscht wurde.

Netzeitung: Herr Baentsch, was hat Sie eigentlich dazu gebracht, mehrere Jahre ihres Lebens zu investieren, um die Barschel-Affäre wieder aufzurollen? Die liegt doch nun schon fast zwei Jahrzehnte zurück.
Wolfram Baentsch: Das große Rätsel, das dieser Affäre, die man Barschel-Affäre nennt, anhaftet, hat mich damals schon gepackt. Von vornherein hatte ich große Zweifel insbesondere an der offiziellen Darstellung von Barschels Todesursache im Genfer Hotel Beau Rivage. Ich habe mich dann schließlich entschlossen, dieses Buch zu schreiben und über drei Jahre dafür recherchiert.

Netzeitung: Jeder erinnert sich an das Bild des toten Uwe Barschel in der Badewanne. Sie sprechen im Titel Ihres Buches von einem Doppelmord. Wie darf man das verstehen?

Baentsch: Zum einen ist Uwe Barschel in Genf physisch ermordet worden. Zum anderen gab es aber auch einen Rufmord an ihm, der schon vor seinem Tod eingesetzt hatte, und über viele Jahre, im Grunde bis heute angehalten hat. Barschel ist diffamiert worden, als einer, der im schleswig-holsteinischen Landtagswahlkampf von 1987 große Schuld auf sich geladen hätte.

Netzeitung: Uwe Barschel, so schreiben Sie, musste sterben, weil er zu einem untragbaren Risiko für die Geheimdienste geworden war. Sein Tod habe den gleichen Hintergrund wie der Mord an Olof Palme.

Baentsch: In der Tat. Olof Palme ist im Februar 1986 auf offener Straße erschossen worden, weil er Waffenlieferungen aus Schweden in Kriegsgebiete verhindern wollte. Uwe Barschel ist aus dem gleichen Grund aus dem Weg geschafft worden. Auch er hatte von Waffengeschäften zwischen Israel und dem Iran erfahren, die über Schleswig-Holstein abgewickelt worden waren. Der Ministerpräsident Barschel wusste davon aber nur durch eigene Recherchen und durch die Informationen seiner engsten Mitarbeiter.
Die Politiker, die damals die Waffenlieferungen betrieben haben, hatten Barschel nicht informiert. Es gab deshalb im schleswig-holsteinischen Parlament einen heftigen Zusammenstoß zwischen Uwe Barschel und seinem Amtsvorgänger, dem damaligen Finanzminister Stoltenberg. Barschel entrüstete sich da über die Waffengeschäfte hinter seinem Rücken. Diese waren in der Regel mit tatkräftiger Mitwirkung und dem vollen Wissen der Geheimdienste, also dem BND, dem Mossad und der CIA vonstatten gegangen.

Netzeitung: Waffengeschäfte zwischen Israel und dem Iran? Das liegt ja zunächst einmal nicht auf der Hand.

Baentsch: Israel und die USA hatten ein gemeinsames Interesse daran, den Krieg zwischen Iran und Irak mit Waffen zu füttern. Je länger und verlustreicher er würde, desto besser. Gleichzeitig hatten sie natürlich ein Interesse daran, nicht selbst als die Förderer dieses Krieges in Erscheinung zu treten. Seit langem ist ja bekannt, dass Saddam Hussein lange Zeit von Amerika mit Waffen beliefert worden ist. Hätte man nicht nun auch den Iran mit Waffen versorgt, wäre der Krieg schnell zu Ende gewesen.

Diese Aufgabe übernahm Israel und brauchte dazu Deutschland als Vorposten. Die Waffen wurden in Lastwagen über Italien nach Deutschland transportiert, zunächst nach Hamburg und dann nach Schleswig-Holstein. Die ursprüngliche Route verlief über Dänemark ˆ dort hatten sich aber die Gewerkschaften geweigert, diese illegalen Transaktionen weiter zu dulden. All diese Vorgänge hat ein ehemaliger Mossad-Agent namens Victor Ostrovsky in aller Breite beschrieben, und er ist bis heute unwiderlegt geblieben.

Netzeitung: Ostrovsky, dessen Buch «Geheimakte ˆ Mossad» 1994 erschienen ist, hatte ja auch die Erklärung für den Tod Uwe Barschels parat.

Baentsch: Er spricht von einem Mord und beschreibt ihn in den allermeisten Punkten so, wie es die medizinischen, toxikologischen, kriminalistischen Recherchen hinterher auch bestätigt haben. Ein Killerkommando des Mossad, so sagt Ostrovsky, habe Uwe Barschel in Genf ermordet.

Netzeitung: Dem stimmen Sie zu?

Baentsch: Ich finde das plausibel. Barschel ist von mehreren Personen ermordet worden, das war nicht einer alleine. Dieser Mord lässt sich auf verschiedene Arten beweisen. Die Beweise aber, und das ist das erschreckende, sind zwar erbracht worden und sie liegen auch vor, durften aber nie veröffentlicht werden. So hat zum Beispiel der Zürcher Toxikologe Professor Brandenberger in einem Gutachten akribisch nachgewiesen, dass das tödliche Gift Barschel erst verabfolgt worden ist, als er schon bewusstlos war. Er hat es also gar nicht selbst aufnehmen können.

Und schon gar nicht, wäre er danach in der Lage gewesen, die Spuren zu beseitigen. Die Flasche Wein, die er am Abend zuvor bestellt hatte, fand sich in den Zimmer nicht mehr. Auch wäre er nicht mehr in der Lage gewesen, die Verpackungen der vielen Medikamente, die in seinem Körper gefunden wurden, zu beseitigen.

Barschel starb an einem Gift, Cyklobarbital, das dem bereits Bewusstlosen in großer Menge verabreicht worden war. Während sich das Cyklobarbital noch im Magen befand, waren drei andere Gifte bereits in der Ausscheidungsphase begriffen. Diese Gifte hatten zuvor die Bewusstlosigkeit bewirkt. So der toxikologische Befund von Professor Brandenberger. Ich habe sein Gutachten nun übrigens über die Website meines Verlages öffentlich gemacht.

Aus weiteren Indizien lässt sich etwa folgender Tathergang rekonstruieren: Uwe Barschel ist unter dem Vorwand, man wolle ihm dort Beweismaterial überreichen, das ihn in der Pfeiffer-Angelegenheit entlasten würde, nach Genf gelockt worden. Dort traf er sich im Hotelzimmer mit seinen Mördern.

Die haben ihn zunächst pharmazeutisch betäubt, aber auch körperliche Gewalt angewendet, wovon Kopfverletzungen zeugen, die zunächst unbemerkt geblieben sind. Das tödliche Gift ist dem Bewusstlosen schließlich mit einem Schlauch durch die Nasenlöcher inturbiert worden. Auch das wird durch Verletzungen der Nasenschleimhäute bewiesen.

Netzeitung: Die allgemeine Erinnerung führt Uwe Barschel aber bis heute nicht als Opfer, sondern gemeinhin als skrupellosen Machtpolitiker, dem seine kriminellen Machenschaften schließlich bis zum Tod in der Badewanne über den Kopf gewachsen sind. Sein Kontrahent Björn Engholm gilt hingegen als integerer Politiker, und kaum jemand vermag noch zu sagen, warum er eigentlich am Ende zurücktreten musste. Wie kommt es zu dieser Erinnerung?

Baentsch: Durch eine riesige und bis heute andauernde Desinformationskampagne. Führen wir uns die Fakten vor Augen: Der erste parlamentarische Untersuchungsausschuss, den der gerade ermordete Barschel ja nicht mehr miterleben konnte, hat Barschel in allen Punkten schuldig gesprochen.

Es ging, wie sie sich erinnern, um die Bespitzelungen und Intrigen, die der Journalist Reiner Pfeifer im Auftrag Barschels gegen den politischen Konkurrenten Björn Engholm gerichtet haben sollte. Dann aber gab es einen weiteren parlamentarischen Untersuchungsaussschus. Es war nämlich herausgefunden worden, dass Pfeiffer von der anderen Seite, also von Engholms SPD finanziert worden war.

Netzeitung: Die sogenannte Schubladenaffäre.

Baentsch: Genau. In dieser Schublade will der Parteivorsitzende der SPD zweimal 25.000 Mark angespart haben, die dann Pfeiffer in zwei Tranchen nächtens auf der Autobahn übergeben worden sind. Das kam damals durch einen Zufall heraus. Eine zeitweilige Lebensgefährtin Pfeiffers hatte es offenbart, und so gelangte die Geschichte in den Stern.

Der zweite Untersuchungsausschuss kam also zu einem ganz anderen Ergebnis. Dass nämlich die SPD sehr frühzeitig mit Pfeiffer zusammengearbeitet hatte und Barschel nicht der Auftraggeber von Pfeiffer war. Heute ist sicher, dass Pfeiffer von den Geheimdiensten instrumentalisiert worden ist, dass Engholm aber dann mit ihm zusammengearbeitet hat, weil er dachte, Pfeiffer hätte auf Geheiß Barschels gehandelt. Als der «Spiegel» diese Geschichte am Vorabend der Wahl herausgebracht und das Ergebnis damit wohl maßgeblich zu Engholms Gunsten beeinflusst hat, ist er beiden ˆ Pfeiffer und Engholm ˆ auf den Leim gegangen.

Netzeitung: All das entschuldigt Uwe Barschel.

Baentsch: Im Grunde war das das Resultat des zweiten Untersuchungsausschusses: Barschel hatte nicht die Schuld auf sich geladen, unter deren Last er hätte zusammenbrechen und Selbstmord begehen können. Schließlich war das Hauptmotiv für Barschels vermeintlichen Suizid vom Tisch. Immer nur war nämlich zuvor von seiner großen Schuld die Rede gewesen und von seiner Karriereversessenheit, die ein Leben ohne politische Macht ihm sinnlos hätte erscheinen lassen.

Das ist aber blanker Unsinn. Freunde von Uwe Barschel wissen es übrigens auch besser. Justus Frantz, der mit ihm zusammen das Schleswig-Holstein-Festival ins Leben gerufen hatte, erinnert sich daran, dass Barschel ohnehin plante, sich Mitte 1987 von der Politik zurückzuziehen und in die Wissenschaft zu gehen. Er hatte seine Habilitationsschrift bereits fast fertig gestellt. Barschel war von der Politik maßlos enttäuscht.

Als er von den heimlichen Waffengeschäften, die hinter seinem Rücken gelaufen waren, erfahren hatte, wollte er nicht weiter mit machen. Das Metier insgesamt war ihm suspekt geworden. Als er sich aber weigerte, Grundgesetzbrüche auf seine Kappe zu nehmen, bekam er zunehmend große Angst und fühlte sich bedroht. Das hat er auch wiederholt geäußert.

Netzeitung: Hatte Barschel auch objektive Anhaltspunkte für eine solche
Bedrohung?

Baentsch: Ganz sicher. Ich sehe es etwa durch viele Indizien als erwiesen an, dass der Flugzeugabsturz, den Barschel am 31. Mai 1987 in einer Cessna als einziger und schwerverletzt überlebt hatte, kein Unfall war, wie damals behauptet wurde, sondern ein Attentat. Außerdem ist erwiesen, dass zwischenzeitlich ein holländischer Killer auf Barschel angesetzt worden war, der aber starb kurz darauf an einem Herzinfarkt, kommt also für den Mord in Genf nicht in Frage.
Der Mordauftrag ist zwar aktenkundig, wurde aber niemals öffentlich. Überhaupt ist eine ganze Reihe kriminalistischer Ergebnisse der Öffentlichkeit kategorisch vorenthalten worden.

Netzeitung: Mit Recht kann man sagen: Ihr Buch liest sich spannend wie ein Krimi. Setzen Sie sich damit aber nicht auch einer Gefahr aus? Je spektakulärer die politische Verstrickung, je finsterer ein geheimdienstlicher Masterplan erscheint, desto eher werden Sie sich den Vorwurf einhandeln, eine typische Verschwörungstheorie in die Welt zu setzen.

Baentsch: Ich rechne schon damit, dass man mich als Verschwörungstheoretiker bezeichnen wird. Doch fürchte ich diesen Vorwurf nicht. Er wird in sich zusammen fallen, sobald man die Fakten zur Kenntnis nimmt, die das Buch liefert. Ich habe ja keine Spekulationen angestellt, sondern eine umfangreiche Faktenrecherche dokumentiert.

Netzeitung: Besonders schnell wird von Verschwörungstheorien gesprochen, wenn Israel oder der Mossad ins Spiel kommt. Zuletzt musste sich ausgerechnet der Regisseur Steven Spielberg vorwerfen lassen, sein Film «München» schlage antisemitische Töne an.

Baentsch: Wenn Sie schon auf Spielberg ansprechen: Es gibt doch so viele Juden, die in beispielloser Hinsicht an Aufklärung und der Wahrheit interessiert sind. Dazu zähle ich Victor Ostrovsky, über den wir sprachen, oder etwa Uri Avnery, den ich voll und ganz bewundere und als Vorbild verehre.

Mord, gezielte Erschießungen, also Staatsterrorismus ˆ das sind doch das Dinge, die Israel in Verruf bringen. Und Leute wie Ostrovsky und Avnery zeigen darauf, um das abzustellen. Das liefert auch uns einen Grund, mit Israel ehrlich umzugehen und zu sagen, wo es nach unseren Überzeugungen zu weit geht, oder Dinge tut, die unserem Grundgesetz widersprechen. Wer so etwas kritisiert, ist noch lange kein Antisemit.

Netzeitung: Sie richten Ihre Kritik ja auch gegen die deutschen
Verhältnisse.

Baentsch: Wir haben allen Grund unsere schöne Demokratie zu reparieren, wo sie reparaturbedürftig ist. Und da gibt es zwei Ansatzpunkte. Zum einen müssen die Geheimdienste kontrolliert werden: durch die Justiz und durch die Parlamente. Das geschieht aber nicht.
Die Dienste können in Deutschland, wie sie wollen, abhören und Verfassungsbrüche begehen, ohne dass sie dadurch irgendetwas zu befürchten hätten. Ihre Abhängigkeit von ausländischen Geheimdiensten ist ein völlig unkontrollierbares Feld und öffnet Tür und Tor für Willkür und Verbrechen.

Das muss abgestellt werden. Dazu müssen aber auch unsere Staatsanwaltschaften endlich frei ermitteln dürfen. Hierzulande sind die Staatsanwälte ja weisungsgebunden, und je brisanter ein Fall in politischer Hinsicht ist, desto massiver greift die Politik in die Arbeit der Staatsanwaltschaft ein. Das ist illegitim.

Die Barschel-Affäre zeigt das mustergültig. Die Lübecker Staatsanwaltschaft hat akribisch und genau ermittelt und äußerst aufschlussreiche Ergebnisse erzielt. Sie wurde aber dann daran gehindert, diese Ergebnisse aber auch öffentlich zu machen. Wenn mein Buch mithelfen könnte, an diesen Zuständen etwas zu ändern ˆ ich wäre stolz darauf.

Netzeitung: Sie beleuchten die Barschel-Affäre als prototypisches Resultat des Kalten Krieges. Welche Lehren kann man aus ihr für die Gegenwart ziehen?

Baentsch: Der Kalte Krieg ist damals so kalt und so kriegerisch schon gar nicht mehr gewesen. Tatsächlich haben die Geheimdienste glänzend zusammengearbeitet. Oft wurde der Kalte Krieg einfach vorgeschoben, um eine massive Aufrüstung zu legitimieren. Heute haben wir ja stattdessen den Krieg gegen den Terrorismus.

Auch hier glaube ich, dass eine Gefahr systematisch übertrieben wird, um ganz andere Zwecke zu erreichen. Geopolitik, Rüstungsgeschäfte ˆ wo sich gut verdienen lässt, haben vorgeschobene Feindbilder mitunter große Vorteile. Täuschungsmanöver, wie das, was ich in meinem Buch beschreibe, halte ich daher durchaus noch immer für möglich.

Mit Wolfram Baentsch sprach Ronald Düker.
Wolfram Baentschs Buch «Der Doppelmord an Uwe Barschel. Die Fakten und Hintergründe» (318 Seiten, 24,90 Euro) ist beim Herbig Verlag zu haben.

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http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/611962/Fall-Barschel_Ermordung-durch-Mossad

Fall Barschel: Ermordung durch Mossad?

20.11.2010 | 14:50 | (DiePresse.com)

1987 wurde der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident tot in der Badewanne aufgefunden. Neue Indizien weisen in Richtung israelischer Geheimdienst. Ein Ex-Agent ist zu einer Aussage bereit.

Einer der wichtigsten Gutachter im Fall Uwe Barschel verdächtigt in einem neuen Gutachten den israelischen Geheimdienst Mossad, den früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten ermordet zu haben. Die chemischen Analysedaten stimmten bis in Details mit einem Mordablauf überein, den der ehemalige Mossad-Agent Victor Ostrovsky in einem Buch schildere, schreibt der Schweizer Toxikologe Hans Brandenberger in einem Beitrag für die Zeitung "Welt am Sonntag". Es ist das erste Mal, dass sich der Wissenschafter zur Frage nach den Tätern äußert.

Der frühere Chefermittler im Fall Barschel, Heinrich Wille, sieht nun den Verdacht erhärtet, dass Barschel von einem professionellen Killerkommando getötet wurde. Brandenbergers Aufsatz enthalte neue Erkenntnisse, die geprüft werden sollten, wurde der ehemalige Leitende Oberstaatsanwalt von Lübeck zitiert. Einen konkreten Verdächtigen gebe es aber bis heute nicht.
Tot in der Badewanne

Der CDU-Politiker Barschel war am 11. Oktober 1987 tot in einer Badewanne des Genfer Luxushotels "Beau Rivage" gefunden worden. Viele Fachleute gehen von einem Selbstmord aus, die Todesumstände wurden aber nie zweifelsfrei geklärt.

Im Unterschied zu anderen Theorien beschreibe Ostrovsky ein Szenario, das mit den Analysedaten erstaunlich gut übereinstimmt, heißt es laut "Welt am Sonntag" in dem Papier Brandenbergers. Auffällige Details in Ostrovskys Bericht, zum Beispiel die rektale Zufuhr von Beruhigungsmitteln und die zeitlich versetzte Verabreichung von Medikamenten, spiegelten sich im chemischen Befund wider, so der Toxikologe.
"Ich weiß ja, dass es so war"

Ex-Agent Ostrovsky erklärte, die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Tod Barschels überraschten ihn nicht. "Ich weiß ja, dass es so war", wurde Ostrovsky zitiert. Der Autor, der bis heute nie offiziell von deutschen Ermittlern zum Geschehen von Genf befragt wurde, zeigte sich bereit zu einer Aussage: "Ich stehe den deutschen Strafverfolgungsbehörden jederzeit als Zeuge zur Verfügung, solange ich dabei in den USA bleiben kann."

Als Motiv für einen Mord an Barschel führt Ostrovsky an, dass der Politiker alles über einen geheimen Waffenhandel zwischen Israel und dem Iran gewusst habe, der über schleswig-holsteinischen Boden ging. Demnach musste er sterben, weil er sein Schweigen brechen wollte.